Medientipps

Empfehlung 13/21

{#Monschau}Kopetzky, Steffen: Monschau

Wir schreiben das Jahr 1962. Die Pocken sind in Deutschland besiegt, da kommt es zu einem zu einem Aufleben in dem kleinen Örtchen Lammerdorf im Kreis Monschau zu einem neuen Fall. Ein 9jähriges Mädchen eines Monteurs, der aus Indien zurückgekehrt ist, erkrankt schwer. an den Schwarzen Pocken. Die Weltgesundheitsorganisation erklärte den Landkreis Monschau zum "Internationalen Infektionsgebiet". Die ganze Region um Aachen wird so zum Ausnahmegebiet, ganze Ortschaften werden abgeriegelt, es bestehen Ausgangsverbot, ganze Familien müssen wochenlang in Quarantäne.

Die Situation kommt uns bekannt vor. Steffen Kopetzky hat die damalige Gemengelage für uns in seinem Roman „Monschau“ eingefangen. Er orientiert sich stark an den Tatsachen und bindet sie in eine leise Liebesgeschichte ein. Nachkriegsdeutschland, Wirtschaftswunder, Altnazis, die noch immer an entscheidenden Stellen sitzen, Ärzte und Klinikpersonal, das bis an seine Grenzen geht    all dies wird stimmig in die Geschichte eingearbeitet.

An einigen Stellen erkennt man, wie nah der Roman an unsere Situation anknüpft. Unglückliche Umstände, Fehleischätzungen, behördliches und menschliches Versagen und Leichtfertigkeit stehen auf der einen Seite, mutiger und selbstloser Einsatz, Durchsetzung unpopulärer Maßnahmen auf der anderen.

Nur der Schluss des Romans ist zu abrupt. Es scheint, als hätte der Autor Probleme mit der Zusammenführung der Erzählstränge und rettet sich in einen Epilog, der dann in fast aufzählender Form die Schicksale der Protagonisten vor uns ausbreitet.

Insgesamt ein lesenswerter, an manchen Stellen auch anrührender Roman. Liebe lässt sich auch von schwierigsten Bedingungen nicht entmutigen.

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Empfehlung 12/21

{#Herzfaden2}Thomas Hettche: Herzfaden 

Alle Mamis sagen immer Kindlein gib schön acht. Blaib schön braf in deinem Zimmer und schlaf gute nacht ...“ Wer erinnert sich nicht an „Urmeli“, an die Blechbüchsenarmee oder den Kater Mikesch in der Augsburger Puppenkiste? Der neue Roman von Thomas Hettche greift die Geschichte der Augsburger Puppenkiste auf. Eingebunden in die fantastische Geschichte eines 12jährigen Mädchens, das auf einem verwunschenen Speicher die lebendig gewordenen Puppen und ihre Schnitzerin Hatü findet.

Hettche erzählt von den ersten Anfängen der Puppenkiste im 2. Weltkrieg bis hin zu den ersten Aufnahmen fürs Fernsehen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Hatü (Hannelore Marschall), die Tochter des Gründers und Schauspielers Walter Öhmichen. Ihre Kindheit und Jugend in Augsburg, ihre Eingebundenheit in die Familie, aber auch die Gräuel der Naziverfolgung, die schwere Nachkriegszeit, in der der Vater zunächst nicht entnazifiziert wurde, das erste Erwachen der Liebe, ihre Durchsetzungskraft, ihr Glaube an die Welt der Puppen – das wird sehr einfühlsam, leicht und doch mit Tiefe erzählt. 

Hatü ist sicher: Marionetten können die Zuschauer in andere Welten führen, denn „Der Herzfaden, hat sie die Stimme ihres Vaters im Ohr, ist der wichtigste Faden einer Marionette. Er macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht.“

Ein interessanter und spannender Einblick in die Welt der Marionetten in einem sehr schön aufgemachten Buch: Druck der beiden Erzählstränge in zwei Farben wie bei Michael Endes Unendlicher Geschichte, dazu schöne Zeichnungen von Matthias Beckmann ganz im Stil der Augsburger Puppenkiste.

 

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Empfehlung 11/21

{#Verschwinden} Phillips,Julia: Das Verschwinden der Erde

In Petropawlowsk, einer tristen Stadt auf der Halbinsel Kamtschatka, verschwinden die beiden russischen Schwestern Sofija und Aljona Golosowskaja spurlos. Es sind Sommerferien und sie haben den Tag am Strand verbracht – allein, da ihre Mutter arbeiten musste. Dass es sich um eine Entführung handelt, erfährt der Leser gleich im ersten Kapitel, das aus der Sicht des älteren Mädchens erzählt wird.

In den folgenden zwölf Kapiteln werden Monat um Monat Schicksale verschiedenster Frauen erzählt, die in irgendeiner Form Kontakt zu den Mädchen, ihrer Familie oder zu jemanden, der sie die beiden kannte, haben.

Dabei erhält man einen guten Einblick in das Leben der Bewohner dieser Halbinsel, die erst seit 1990 für Touristen zugänglich ist.

Der größte Teil der Bevölkerung besteht aus Russen. Nur etwa 2,5 Prozent stammen von den ursprünglich hier lebenden Ureinwohnern (Kamtschadalen) ab, die als „Unterschicht“ leben. Probleme zwischen den Bevölkerungsgruppen sind vorprogrammiert. Während sich die Polizei sehr darum bemüht, die russischen Mädchen zu finden, wird das Verschwinden eines indigenen Mädchens nicht ernst genommen.

Das Buch wird als Thriller angepriesen, was es aber in keinem Fall ist. Für mich sind es nur einzelne lose Episoden, die nur selten etwas zum eigentlichen Thema, dem Verschwinden der Mädchen, beitragen. Man hat das Gefühl, die Autorin hatte die einzelnen Geschichten aufgeschrieben und hinterher versucht mit dem ersten und letzten Kapitel dem ganzen einen Kriminalfall überzustülpen.

Insgesamt fand ich das Buch ausnehmend mühsam zu lesen, die Vielzahl der Namen ist störend. Es werden nur selten Verbindungen zwischen den Personen und Episoden hergestellt. Fazit: Auf Dauer einfach nur ermüdend.

SB

 

 

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Empfehlung 10/21

{#Evers} Horst Evers: Wer alles weiß, hat keine Ahnung

Und wieder ist ein netter Erzählband mit Alltagsgeschichten des Autors erschienen. Mit viel Witz und Selbstironie erzählt er aus „seinem Leben“. Es sind verrückte Geschichten, die übertrieben sind, um auf das Eigentliche, das dahintersteckt, aufmerksam zu machen.

Die Episoden „Mein Leben in 13 Berufen“ ziehen sich durch sein ganzes Leben, beginnend in seiner Jugend in der Nähe des Dümmer: in der Hähnchenschlachterei, wo er nach 2 Stunden der Hölle entkommt,

in der Landmaschinenwerkstatt, wo er nichts als Dinge festhalten lernt, beim Lokaljournalisten, wo sein Bericht über einen 100jährigen im Fiasko endet, beim Kirchenblatt, in dem er für die evangelische Kirche eine Beichte mit mehr Spannung und Risiko ins Gespräch bringt.

Auch sein Familienleben in Berlin wird auf die Schippe genommen, den Titel des Buches hat er von seiner Tochter, die ihn daran erinnert, dass er diesen netten Spruch von seinem Lehrer früher häufig zitiert hat.

Ein erfrischend fröhliches und positives Buch, das man gerade in Corona-Zeiten besonders gern in die Hand nimmt. Und wir, die wir meinen über das Internet immer bestens informiert zu sein, sollten uns nicht in die Irre führen lassen, denn: „Wer alles weiß, hat keine Ahnung“.

SB

 

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Empfehlung 09/21

{#Kommt ein Syrer 2}Samer Tannous und Gerd Hachmöller: Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)

In Ergänzung zu unserer Online-Lesung am Mittwochabend (24.03.2021) möchte ich gern auch einmal auf ein Buch aus dem letzten Jahr hinweisen, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann: „Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)".

Samer Tannous kam 2015 mit seiner Familie nach Deutschland in die keine niedersächsische Stadt Rotenburg. Dort lernt er Gerd Hachmöller kennen, der Koordinator für Flüchtlingsfragen im Landkreis ist. Zusammen schreiben sie Kolumnen zunächst für den „Weser-Kurier“, im Herbst 2018 bietet der Spiegel ihnen an, ihre Texte im Onlineangebot Spiegel+ zu veröffentlichen. Und 2020 kommt dann ihr Buch sogar auf den Spiegel-Bestseller.  

In ihren Kolumnen geht es um die Unterschiede zwischen der deutschen und der arabischen Kultur. Samer Tannous nennt dies „Versuche meine neue deutsche Heimat zu verstehen“.

Die Kolumnen sind sehr treffend, bringen die Unterschiede auf den Punkt und zeigen, wie schwierig es ist, sich zu integrieren, selbst wenn man bestens Willens ist. Die beiden Autoren schreiben sehr persönlich und anrührend und man ist öfters erstaunt über typisch deutsche Eigenheiten, die seltsam sind, die man aber vorher an sich gar nicht so wahrgenommen hat.

Für die Zuhörer der Online-Lesung war es ein sehr interessanter, spannender und informativer Abend, der gern als Präsenzlesung wiederholt werden wird, wenn im nächsten Jahr der Folgeband herauskommt.

SB

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Empfehlung 08/21

{#Stern Crime 2}Stern Crime Februar 2021

Ende letzten Jahres hat die Bücherei das Magazin Stern Crime neu ins Repertoire aufgenommen. Zeit einmal eine Ausgabe genauer anzuschauen.

Das Magazin erscheint alle 2 Monate und hat sich auf die Information über reale Verbrechen spezialisiert. Sie berichtet sowohl über Verbrechen, die vor noch nicht allzu langer Zeit geschehen sind, als auch Verbrechen aus früheren Zeiten.

Ihr eigener Anspruch lautet so: „Nicht nur die Auflösung des Kriminalfalls kann in stern Crime gefunden werden, sondern auch das Schicksal dahinter. Warum wurde ein Mensch zum Täter, wie fühlt sich das Opfer und welche Spuren hat die Tat hinterlassen?“

Die Titelgeschichte der vorliegenden Ausgabe handelt von einem New Yorker Hotel, in dem eine Frau verschwindet und schließlich tot in einem Wasserbehälter auf dem Dach gefunden wird. Vorher werden Aufnahmen von ihr im Aufzug des Hotels am Tag des Verschwindens der Bevölkerung zur Aufklärung des Falls gezeigt – ohne Erfolg. Ich fand die Titelgeschichte die langweiligste Story der ganzen Auagabe - episch breit ausgewälzt, ohne dass der Leser neue Erkenntnisse gewinnt.

Da gefiel mir die historische Geschichte über den Räuber Kneissl, der aufgrund der sozialen Verhältnisse unter denen er aufgewachsen ist, es nicht schafft dem kriminellen Kreislauf der Familie zu entkommen, sehr viel besser.

Interessant ist auch das Interview mit der Psychiaterin Sigrun Roßmanith über Missbrauch durch Ärzte.

Insgesamt ist die Zeitschrift abwechslungsreich, bringt verschiedene Aspekte und sogar eine längere Buchempfehlung. Die Abbildungen sind wohltuend zurückhaltend, anders als man das von der Stern-Zeitschrift gewohnt ist. Eine nette Lektüre für Krimifans, die gern einmal über „echte“ Fälle lesen möchten. Allerdings darf man keinen literarischen Genuss erwarten.

SB

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Empfehlung 07/21

{#Dirigentin 2}Maria Peters: Die Dirigentin

Dieser Roman schildert das Leben der ersten Dirigentin auf den Bühnen der Welt: Antonia Brico. Ich hatte den Namen noch nie vorher gehört und war sehr gespannt, mehr über das Leben dieser Frau zu erfahren.

Der Roman gliedert sich in ganz viele kurze Kapitel und liest sich problemlos in einem Zug. Antonia Brico ist eine Frau, die nur für die Musik lebt und sich gegen alle Widerstände durchsetzt. Es ist schon amüsant, wie sie es schafft, von den bekanntesten Künstlern wahrgenommen zu werden, dafür riskiert sie sogar ihren Job. Auch von feindseligen, frauenfeindlichen und ablehnenden Haltungen lässt sie sich nicht kleinkriegen. Sie geht unerschütterlich ihren Weg.

Antonia wächst in einem sehr einfachen New Yorker Viertel auf. Immer im Clinch mit ihrer Mutter, der sie alles Geld, das sie verdient, abgeben muss und einem Vater, der Antonia gern unterstützen möchte, aber gegen seine Frau nicht ankommt, hat sie nicht gerade die besten Voraussetzungen ihr Ziel - Dirigentin zu werden - zu verwirklichen.

Doch eine Reise nach Europa zu ihren Wurzeln bringt sie ihrem Ziel – wenn auch auf sehr steinigen Pfaden – näher.

Ein netter Roman, der das Musikleben der 20er und 30er Jahre in New York, Amsterdam und Berlin lebendig werden lässt. Allerdings darf man von dem Roman keine tiefgreifenden musikalischen Einblicke in das Leben eines Dirigenten erwarten.

SB

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Empfehlung 06/2021

{#Buchspazierer} Carsten Henn: Der Buchspazierer

Als ich den Titel des Romans gesehen habe, dachte ich, den muss ich gleich lesen.

Der Buchspazierer ist ein 72jähriger Buchhändler Carl, der nach Ladenschluss besonderen Kunden ihre bestellten Bücher vorbeibringt. Mit viel Liebe packt er die Bücher ein und hat für jeden Kunden ein gutes Wort, doch die Beziehung zwischen ihm und seinen Kunden bleibt freundlich distanziert. Das ändert sich von einem Tag auf den anderen, als Schascha in sein Leben tritt, ein neunjähriges Mädchen. Sie begleitet ihn auf seinen abendlichen Gängen und lässt sich auch von seiner Einsilbigkeit nicht abwimmeln.

Schascha schaut genauer in die Augen der Kunden und schafft es, dass alle sie ins Haus lassen und offener werden. Sie weiß, was jeder wirklich benötigt und bringt jedem das Buch mit, das seine Augen aufleuchten lässt. 

Carl und Schascha schaffen es, die Probleme aller Kunden zu lösen, nur ihre eigenen verschweigen sie einander. Und plötzlich bleibt Schascha von einem Tag auf den anderen weg…

Das Buch ist schnell auf der Spiegel-Bestseller-Liste gelandet, die Kritiken überschlagen sich vor Begeisterung.

Ich habe keinen richtigen Zugang zu dem Buch gefunden. Schascha ist mir viel zu altklug, als dass sie mir sympathisch sein könnte. Die Figur der Besitzerin der Buchhandlung wird extrem einseitig gezeichnet. Und dass sich alle Probleme am Ende letztendlich durch Schascha lösen lassen, ist völlig unrealistisch.

Bei aller Kritik ist der Roman bereitet der Roman sicher vielen Leser*innen einige unterhaltsame Stunden.

SB

 

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Empfehlung der 05/2021

{#Gemüse 2} Heidi Lorey: Gemüse ins Blumenbeet!

Mit eiligen Schritten gehen wir aufs Frühjahr zu. Noch erlauben die Temperaturen kein Arbeiten im Garten. Zeit also fürs Planen.

Es gibt einen neuen Trend: Im Beet Blumen und Gemüse kombinieren. Da kommt das neue Buch von Heidi Lorey: Gemüse ins Blumenbeet! genau richtig. Die Autorin erteilt dem reinen Ziergarten eine Absage. Zwischen Zierpflanzen, Kräutern und Gemüse gibt es einen fließenden Übergang, die Amerikaner nennen das Gärtnern mit essbaren Pflanzen „foofscaping“

Die Autorin zeigt Pflanzpläne für einen Kombigarten, für die Terrasse, für Wegränder und für einen Sitzplatz im Kombibeet auf.

Nach einer kurzen Einführung in Bodenbeschaffenheit, Pflanzenanzucht und Pflanzengesundheit beschreibt Lorey einzelne Gemüsesorten und ihre Blumenpartner. Die sehr übersichtlichen Porträts lassen keine Wünsche offen: Beschreibung der Pflanze, ihre schicken Kollegen, wie man sie in Szene setzt und ein Infokasten „Kurz & Bündig“.

Lassen Sie sich inspirieren, legen Sie los! Ihr Garten wird sie belohnen. Er wird mit allen Sinnen zu erleben sein: Sehen, Riechen, Fühlen und Schmecken.

SB

 

 

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Empfehlung 04/2021

{#Pandora} Barry Jonsberg: Pandora Stone - Heute beginnt das Ende der Welt 

In dieser Woche stelle ich Ihnen den ersten Band ein Jugendbuch Trilogie mit ganz brisantem Inhalt vor. Ein Virus hat innerhalb weniger Stunden Milliarden von Menschen getötet, die Menschheit steht vor ihrer Ausrottung.

Das Mädchen Pandora ,15 Jahre, erwacht in der Krankenstation der „Akadamie“, einem militärischen Ausbildungslager. Sie ist - wie sie erfährt - eine der wenigen Überlebenden. Eine fast übermenschliche Ausbildung zum Überleben beginnt für sie und rund 400 weitere Jugendliche. Eine hohe Mauer umschließt die „Akademie“, so dass ein Entkommen nicht möglich ist.

Die Leiter und Lehrer der Akademie erscheinen ihr von Anfang an undurchsichtig und sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann.

Die Jugendlichen werden in Kleingruppen unterteilt. In ihrer Gruppe sind 4 Jungen und drei weitere Mädchen. Nach und nach rauft sich die Gruppe zusammen und wird dann auf eine gefährliche Expedition zu einer Insel geschickt. Sie sollen feststellen soll, ob es weitere Überlebende gibt und wenn ja, ob sie gefährlich oder kooperativ sind.

Ein unheimlich spannendes und mitreißendes Buch, das man kaum aus der Hand legen kann. Die einzelnen Charaktere sind  glaubhaft und gut zusammengestellt.

Am Ende des ersten Teils der Trilogie weiß Pandora noch weniger als zu Beginn. Ist die richtige Welt die ihrer Träume und die Welt der „Akademie“ eigentlich nur ein Traum?  Und was hat ihr Name mit dem Mythos der Büchse der Pondora zu tun, die alle der Menschheit bis dahin unbekannten Übel wie Arbeit, Krankheit und Tod enthielt und die in die Welt entwichen, als Pandora die Büchse öffnete?

Gut, dass die beiden Folgebände in kurzem zeitlichen Abstand erschienen sind (November 2020 bis Januar 2021) und man gleich weiterlesen kann!

SB

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Empfehlung 03/2021

{#Baumhaus junior}Mary Pope Osborne : Bedrohung im Paradies

Ein richtiger Klassiker im Kinderbuchbereich ist inzwischen die Baumhausserie von Mary Pope Osborne geworden. Der erste Band „Im Tal der Dinosaurier“ erschien 1992, der Beginn einer tiefen Freundschaft zwischen Buch und Kindern im Alter von 8-11 Jahren.

Im Mittelpunkt der Serie steht das Geschwisterpaar Anne und Philipp, die mit Hilfe eines magischen Baumhauses an alle Orte und in jede Zeit reisen können. Einzig ein Buch mit dem Bild des Wunschortes benötigen die beiden, dann ein „Ich wünschte, wir wären dort“ und schon hebt das Baumhaus ab.

Der große Erfolg der Serie hat dazu geführt, dass seit 2015 die Bände für kleinere Kinder bearbeitet und gekürzt wurden – „Das magische Baumhaus junior“ kam auf den Markt. Inzwischen ist ganz frisch - 13. Januar 2021 - der 25. Band mit dem Titel „Bedrohung im Paradies" auf den Markt gekommen.

Das Baumhaus lässt Anne und Philipp in der Südsee ankommen, in Hawaii, einer Inselgruppe, die „vor vielen Millionen Jahren durch Vulkane, die unter dem Meer ausbrachen und sich im Laufe der Zeit über das Wasser erhoben, entstanden ist“ – wie Philipp Anne aus dem Hawaii-Buch vorliest. Die Kinder werden von den Ureinwohnern herzlichst begrüßt und gleich zu einem Fest eingeladen. Gleich werden sie in den berühmten Hula-Tanz, ein erzählender Tanz, der sich in Hawaii entwickelte, eingebunden.

Und gleich am nächsten Morgen geht’s zum Wellenreiten. Anne, die Mutigere der beiden Kinder, ist voll dabei, Philipp, der Zögerliche und Vorsichtigere, bleibt nach einem gescheiterten Versuch am Strand und liest weiter in seinem Buch. Ein plötzliches Erdbeben reißt ihm das Buch aus der Hand…

Das magische Baumhaus gehört der Zauberin Morgan, die Bibliothekarin am Hofe des berühmten Königs Artus war. Morgan ist es, die Anne und Philipp mit den unterschiedlichsten Aufträgen auf die Reise und damit in die gefährlichsten Abenteuer schickt.

Die Geschichte wird spannend erzählt, ist durchgehend farbig illustriert und eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch durch die große Schrift auch zum Selberlesen.

Der Erfolg der Serie basiert sicher auch auf den kleinen Wissenshäppchen, die Philipp, der Forschertyp, den Büchern, die im Baumhaus liegen, entnimmt.

SB

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Empfehlung 02/2021

{#Raub 2} Raub in der Villa Cliffrock von Haba The Key

Das detektivische Krimispiel Raub in der Cliffrock Villa ist ein kniffliges Kartenspiel, das mit dem Ausschlussverfahren arbeitet. Eine Raubserie aus der Kunstsammlung der Villa erschüttert die Welt. Eine wertvolle Maske, eine diamantenbesetzte Elefantenstatue und eine kostbare Krone wurden an einem Tag zu drei verschiedenen Zeiten von 3 verschiedenen Tätern entwendet. Jetzt heißt es schnell das Diebesgut, die Uhrzeit und die Fluchtart jedes einzelnen Täters zu ermitteln.

Die drei Täter der Diebstahlserie Nick Rizzo, Rob Gonzales Ortega und Greta Sable wurden zwar erfolgreich festgenommen, müssen nun aber anhand von Zeugenaussagen und Laborergebnissen überführt werden.

Das Spiel eignet sich für 1-4 Spieler ab 8 Jahren. Ein Durchgang dauert  20 - 30 Minuten, doch es kommt nicht allein auf Schnelligkeit an, viel wichtiger ist eine gute Kombinationsgabe. Denn am Ende gewinnt der Ermittler, der die wenigsten Karten zur Lösung des Falls aufgenommen hat.

Das Material ist liebevoll zusammengestellt und die hohe Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten erlaubt es, das Spiel häufig zu spielen. Je mehr Mitspieler, um so spannender wird es, denn die günstigsten Ermittlungskarten werden schnell weniger…

SB

 

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Empfehlung 01/2021

{#Schule am Meer}Sandra Lüpkes: Die Schule am Meer

Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich Ihnen dieses Buch als mein Highlight des Jahres 2020 vorstellen: 

Die Autorin ist auf der Insel Juist aufgewachsen und hat neben einer Reihe Krimis, die auf Juist spielen, diesmal einen historischen Roman geschrieben. Im vorliegenden Buch geht es um die Geschichte der „Schule am Meer“, eine private Schule mit Internat, die 1925 von dem Reformpädagogen Martin Luserke mit seiner Ehefrau Annemarie und seinen Kollegen Helene und Rudolf Aeschlimann, Christel und Fritz Hafner, Paul und Anni Reiner ins Leben gerufen wurde.

Hier werden Kinder - vorrangig aus dem Großbürgertum -  nach reformpädagogischen Grundsätzen unterrichtet. Auf dem Stundenplan stehen Musik, Sport, Handwerk - eine naturorientierte und ganzheitliche Erziehung im Sinne der Landschulheimbewegung von Hermann Lietz und der Anthroposophie Rudolf Steiners.

Auch Eduard Zuckmayer, der Bruders des bekannten Schriftstellers Carl Zuckmayer, unterrichtet hier.

Sandra Lüpkes lässt das Leben und die Gefühlswelt der Lehrer und der Schüler im Roman lebendig werden, geschickt eingebaut wird auch die eher ablehnende Haltung der Inselbewohner, die die Schule als ein Zentrum des Kommunismus und des Judentums ansehen. Der immer stärker werdende Nationalsozialismus und Antisemitismus dieser Zeit spiegelt sich deutlich in der fiktiven Figur des Gemeindedieners Gustav Wenninger wider.

1933 versucht Martin Luserke sich zur Rettung der Schule mit den neuen Machthabern zu arrangieren. 1934 muss die Schule am Meer jedoch endgültig schließen.

Die Figur des Martin Luserke hinterlässt beim Leser ein sehr gespaltenes Bild, während die jüdische Lehrerin Anni Hafner unsere ganze Sympathie hat, ebenso der Schüler „Moskito“, der sich vom  schüchternen und unsicheren Junge zu einem intelligenten und selbstsichern jungen Mann entwickelt.

Man spürt im Roman die Liebe der Autorin zu Juist, sie kennt sich bestens aus und kann so eine wunderbare Geschichte aus einer Mischung von Tatsachen und Fiktion erzählen.

SB

 

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